Fachtagung über Abwasserreingungsanlagen beschäftigt sich mit Zukunftsfragen

Fachtagung ARA EMPA

„Heute schon an Morgen denken“, dies war Leitsatz und zugleich der rote Faden der Fachtagung für Planer und Betreiber aus dem Bereich der Abwasserreinigungsanlagen aus der Schweiz und Deutschland, zu der die MC-Bauchemie AG am 13. September 2017 in die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt EMPA in Dübendorf eingeladen hatte. Auf der Agenda standen zukunftsweisende Technologien in der Abwasserbehandlung und die damit verbundenen Herausforderungen für die Bausubstanz. Fachreferenten aus Wissenschaft und Unternehmenspraxis schlugen den Bogen von den betontechnologischen Besonderheiten in Kläranlagen über die Abwasserbehandlungstechnik bis zu zukunftsweisenden Oberflächenschutzmaterialien.

Im Fokus der Tagung, die unter der Schirmherrschaft von Brigitte Bünter, Verkaufsleiterin der MC-Bauchemie, stattfand, standen vor allem die Themen der Wirbelbetttechnologie im Rahmen der biologischen Reinigungsstufe sowie die sogenannte vierte Reinigungsstufe.

Dr. Andreas Leemann von der EMPA Dübendorf führte die Teilnehmer an die Thematik heran und bot einen tiefen Blick in die Technologie des grauen Werkstoffs Beton. Dabei setzte er seinen Schwerpunkt auf chemische Begleitprozesse im Rahmen der Nitrifikation und verknüpfte dabei den Betrieb, die Schadensmechanismen und die Instandsetzung von Becken der biologischen Reinigungsstufe miteinander.

Thematisch eng daran angelehnt erläuterte Thomas Kimmenauer, WABAG Wassertechnik AG, das Wirbelbettverfahren und seine Besonderheiten. Zur Steigerung der Effizienz in der zweiten Reinigungsstufe werden dem Abwasser seit einigen Jahren unterschiedlich geartete Kunststoffchips zugegeben, die durch ihre große Oberfläche als Biofilmträger dienen. Hierdurch lässt sich die Reinigungskapazität dieser Klärstufe um bis zu 100% steigern. Was im Sinne des Klärprozesses positiv ist, führt zu einer großen Herausforderung für die Bausubstanz. Die Trägerchips wirken stark abrasiv auf die Betonoberflächen und schädigen selbst hochfeste Betone und andere mineralische Baustoffe nachhaltig. So wird selbst in vermeintlich wenig beanspruchten Bauwerken der Abwasserbehandlung eine ergänzende Schutzbeschichtung notwendig.

Neben dem Wirbelbettverfahren ist es jedoch vor allem die sogenannte vierte Reinigungsstufe, die erhöhte Anforderungen an die Werkstoffe mit sich bringt. In der Schweiz wurde im Zuge der Revision der Gewässerschutzverordnung per 1. Januar 2016 das Ziel einer Spurenstoffelimination in den Oberflächengewässern um 50% Prozent vorgegeben. Um dieses Ziel zu erreichen, werden in den kommenden Jahren 100 der über 700 Abwasserreinigungsanlagen (ARA) mit einer sogenannten vierten Reinigungsstufe ausgestattet. Zu diesem Zweck kommen zurzeit grundsätzlich zwei Verfahren – die Reinigung mittels Aktivkohle oder mittels Ozonierung – zum Einsatz. Völlig unklar sind die Auswirkungen dieser neuen Verfahrenstechniken auf Bausubstanz und Beschichtungssysteme. Insbesondere bei der Ozonierung liegt der Fokus auf dem Korrosionsschutz des Bewehrungsstahls. Herkömmliche Reaktionsharzbeschichtungen stoßen aufgrund der stark oxidierenden Wirkung des Gases schnell an ihre Grenzen.

Worauf bei der Sanierung von stark abrasiv und chemisch beanspruchten Bauwerken zu achten ist, zeigte Dr. Joachim Käppler, Technischer Direktor bei der MC-Bauchemie in Deutschland, in seinem Vortrag auf. Außerdem stellte er Lösungen der MC-Bauchemie für Becken mit Wirbelbettverfahren vor, deren Spezial-Reaktionsharzbeschichtungen den mechanischen Anforderungen dauerhaft trotzen, die Bauteiloberflächen schützen und so für eine maximierte Lebensdauer sorgen. Beim Ozonierungsverfahren geht MC-Bauchemie zusammen mit Planern und Betreibern bereits voran. In einem Forschungsprojekt in Kooperation mit der ARA Dübendorf werden diverse Instandsetzungssysteme, unter denen sich auch völlig neuartige Ansätze befinden, auf ihre Tauglichkeit überprüft. Hierbei geht es vor allem um Langzeiterfahrungen, um auch in Zukunft den Veränderungen in der Abwasserreinigungstechnik gerecht zu werden. Aus diesem Grund erfolgen mehrjährige Einlagerungsversuche mit regelmäßiger Revision der Probekörper. Hier gilt: nur wer das Langzeitverhalten des Werkstoffs kennt, kann sichere Aussagen zur Beständigkeit treffen. Über die Vorträge der Spezialisten hinaus nutzten die Teilnehmer die Chance für zahlreiche Detailfragen und den fachlichen Austausch untereinander. „Wir haben heute einen wichtigen Grundstein für die Zukunft der Abwasserreinigung gelegt. Denn mit dem Dialog zwischen allen Beteiligten können wir bereits heute schon die Lösungen von morgen erarbeiten“, zog Schirmherrin Brigitte Bünter ein treffendes Fazit für die Fachtagung. Sicher wird es nicht die letzte Tagung gewesen sein, denn in einem waren sich alle Teilnehmer einig: die Ergebnisse der Langzeitstudie zur vierten Reinigungsstufe sind von besonderer Bedeutung – auch über die Grenzen der Schweiz hinaus.